Entwicklungsprojekte

Die Bahnhofstransversale

Jede, sich dynamisch entwickelnde Stadt kann meistens bestimmten Problemen mit dem System der Verkehrsinfrastruktur nicht ausweichen, welche oft nicht in der Lage ist, flexibel auf die an sie gestellten, schnell wachsenden Ansprüche zu reagieren. Die Hauptursache liegt in der Zeit und vor allem in der Investitionsaufwendigkeit der Vorbereitung und Realisierung von Infrastrukturprojekten, deren volle Finanzierung in der Regel leider außerhalb der Möglichkeit des Budgets der Stadt liegt. Daher ist die Stadt gezwungen auch nach anderen, als nach eigenen Projektfinanzierungsquellen zu suchen. Auch die Stadt České Budějovice ist gegenüber Problemen dieser Art nicht immun – die frequentierten Verkehrswege sind überlastet.

Die komplizierte Situation mit dem zunehmenden Verkehr in České Budějovice könnte in wesentlichem Maße durch die Realisierung eines Projektes gelöst werden, welches in der  Errichtung der sog. Bahnhofstransversale und der Unterführung unterhalb der Gleisanlage besteht. Die Errichtung dieses Verkehrsweges wird als strategisch wichtig und dringend erachtet und gehört daher entsprechend dem Gebietsplan zu den Investitionsvorhaben mit höchster Priorität.

Das vorgeschlagene Bauprojekt ist Bestandteil der Verbindung der Straße von Jindřichův Hradec (und in der Perspektive auch von Prag) mit der städtischen Umgehungsstraße nach Linz. Die Fertigstellung der städtischen Umgehungsstraße trägt zur Erleichterung und Beschleunigung der Verbindung mit den ausländischen Nachbarn bei und betont die strategische Lage der Stadt. Gemäß der Lösungskonzeption für den Verkehr hat die Bahnhofstransversale, somit die den Bahnhof schneidende Querverbindungsstraße, grundsätzliche Bedeutung nicht nur für die Entwicklung der Stadt als Ganzes, sondern auch für die Verbesserung der verkehrstechnischen Bedienung ihrer einzelnen Teile – der städtischen Industriezone sowie auch des ganzen Gebietes der sog. Hus-Kolonie. Ferner gewährleistet sie auch die so sehr erforderliche neue, qualitätsgerechte Verbindung des östlichen Teils der Stadt mit ihrem Zentrum. Neben diesen wünschenswerten Beiträgen bringt das Bauvorhaben weitere progressive Änderungen, wie z.B. die Ableitung des Verkehrs von den jetzigen kritischen Verkehrsknoten, eine Erleichterung der Bewegung der Fußgänger und Radfahrer durch die Stadt, eine qualitative Verbesserung der Umwelt im Stadtzentrum, eine Senkung der Folgen des Automobilverkehrs für die Umgebung. Der neue Verkehrsweg wird eine bedeutende Rolle vor allem auch bei der Entlastung des Verkehrs vor dem Bahnhof der Tschechischen Bahn und an der Kreuzung der Straßen Nádražní und Rudolfovská bei der Eisenbahnbrücke spielen, wo sich in den Spitzenzeiten Staus bilden. Der Endeffekt wird eine weitere Verbesserung des Lebens der Bürger der Stadt sein. Der Verkehrsverbindung ist in mehreren Teilen projektiert, die Gesamtkosten der "Bahnhofstransversale" wird auf 1.400.000.000 CZK (46,7 Mio. € ) geschätzt.

Die Stadt und das Wasser

Das dritte Projekt trägt die Bezeichnung Befahrbarmachen der Moldau. Sein Ziel ist die Ausnutzung eines bislang verborgenen Potentials, welches die Lage der Stadt České Budějovice selbst darstellt, die am Zusammenfluss der beiden Flüsse Moldau und Maltsch liegt. Der längste Fluss der Tschechischen Republik, die Moldau, ist ein historischer Wasserweg, der in der Vergangenheit viel für den Güter- und Personentransport genutzt wurde. Diese traditionelle Art des Verkehrs wurde vor Beginn der fünfziger Jahre durch die Errichtung der Wasserwerke am Fluss unterbrochen. Auch die Stadt České Budějovice änderte ihr Antlitz und der Fluss hörte auf, in diesem Maße Bestandteil des städtischen Lebens zu sein. Eine riesige Gelegenheit für die Wiederentdeckung des Flusses Moldau durch die Stadt České Budějovice gibt das durch den Staat vorbereitete Projekt, welches nach vielen Jahren wieder die durchgehende Schifffahrt über die Moldau von Prag bis kurz vor České Budějovice ermöglicht. 

Die Absicht der Stadt České Budějovice ist es, an das staatliche Projekt anzuknüpfen und die Befahrbarkeit des Flusses bis in das Zentrum der Stadt zu den Stadtmauern zu verschieben. Die Wiederentdeckung des Flusses durch die Stadt České Budějovice würde nicht nur eine Erhöhung der Attraktivität der Stadt und ihrer Umgebung für einheimische und auch ausländische Besucher mit sich bringen, sondern auch eine Bereicherung des Lebens der Stadt und ihrer Bürger. Derzeit ist der Kanusport (sowohl als Leistungssport als auch zur Erholung) eine sehr beliebte Art der Freizeit- und Urlaubsgestaltung für alle Gruppen in- und auch ausländischer Besucher. Die Entwicklung des Erholungs- und Leistungskanusports kann ein bedeutender Impuls für die Entwicklung eines ganzen Fremdenverkehrszweiges in der Stadt und ihrer Umgebung sein. Die Verbindung mit dem Angebot weiterer Attraktionen und Leistungen, die die Stadt und ihre Umgebung bereits jetzt bieten könnten – z.B. der Besuch historischer und kultureller Denkmäler, die herrliche Natur, die Möglichkeit der Nutzung eines dichten Netzes von Radwander- und Wanderwegen, sowie die Entwicklung neuer Dienstleistungen in Verbindung mit dem Transport auf dem Wasserwege, bedeutet ein großes Anwachsen der Attraktivität der Stadt für in- ausländische Besucher. Für die Stadt České Budějovice würde die Realisierung dieses Projektes neben dem unumstrittenen wirtschaftlichen Beitrag viel Positives bringen, insbesondere auf dem Gebiet der Schaffung neuer Arbeitsplätze, der Initiierung neuer Unternehmensaktivitäten, die Erhöhung der Aktivität der Stadt und der Umgebung, die Verlängerung der Aufenthalte der Touristen in der Stadt bzw. die Erhöhung der Sichtbarkeit der Stadt in Europa. Sehr attraktiv wird die Verbindung der Stadt České Budějovice mit dem traditionellen Ausflugsziel Hluboká nad Vltavou  mittels des Schiffsverkehrs bzw. die Anknüpfung an die Pferdeeisenbahn sein.

Für die Personen- und Sportschifffahrt wird es erforderlich sein, eine Anlegestelle in České Vrbné, d.h. eine Anlegestelle mit einer ausreichenden Zahl von Ankerplätzen und auch mit dem erforderlichen sanitären und technischen Feedback zu errichten. Angesichts dessen, dass sich in der Nähe eine künstliche Slalomstrecke und eine beliebte Raftingbahn befinden, ist das große Interesse der individuellen wie auch die Gruppenfahrgäste an einer Unterbrechung der Fahrt gerade hier und die Ausnutzung der anknüpfenden sportlichen Aktivitäten vorauszusetzen. Hier wäre somit nicht nur ein Ankerplatz und das Feedback der individuellen Bootsfahrer, sondern weitere begleitende Leistungen, Unterbringungs-, Verpflegungskapazitäten, Informationen usw. Vorausgesetzt wird auch die weitere Entwicklung und kommerzielle Nutzung des Kanustadions in České Vrbné.

Die Anlegestelle in České Budějovice dürfte dann bereits nur der Ort für ein kurzzeitiges Ankern der Schiffe, für das Ein- und Aussteigen der Passagiere und das Umkehren der Schwimmfahrzeuge sein. Möglichkeiten für einen Standort dieser Anlegestellen gibt es mehrere – einerseits am linken Ufer oberhalb der Neuen Brücke (mehrere Schiffe), die Anlegestelle an der Lanna-Schiffswerft  und eine weitere im sog. Blinden Arm, wo jedoch die zum Ankern erlaubte Zeit strikt beschränkt wäre, damit hier individuelle und in der Gruppe reisende Besucher lediglich für einen Spaziergang in der Stadt aussteigen könnten (ggf. z.B. Bezahlung einer Maut bei der Stadtmauer usw.), und anschließend würden die Schiffe in größeren Häfen und Anlegestellen weiter in Richtung Norden anlegen.

Im Hinblick auf das Erfordernis der Bindung der Schifffahrt an den Fremdenverkehr auf dem Gebiet des Zentrums der Stadt České Budějovice wird die Realisierung der Passagieranlegestelle gerade am Turm Eiserne Jungfrau (Železná Panna) und im Blinden Arm des Flusses selbst erwogen. Im Blinden Arm könnte sowohl der Umkehrplatz der Fahrgastschiffe (28 m), als auch vor allem die kurzzeitige Anlegestelle für Fahrgastschiffe sein, d.h. eine sog. Stadtmole. Die Zeit des Ankerns wäre mit Hinsicht auf die geringere Kapazität eingeschränkt, z.B. auf max. 24 Stunden (vor allem dann in der Phase des bereits laufenden und gut funktionierenden Projektes).

Die Anlegestelle bei der Lanna-Schiffswerft könnte ein gewisser Ausgangspunkt (vor allem organisierter) Fahrten werden. Einerseits macht sich der Besucher hier mit der Geschichte und der Tradition des Schiffsverkehrs in České Budějovice bekannt, jedoch ist dieser Standort auch ein geeigneter Start sowohl für kurze Fahrten zum Blinden Arm, als auch für längere Schiffsfahrten stromabwärts (z.B. nach Hluboká). Ein Vorzug ist auch die Nähe des großen Parkplatzes beim Messegelände, wo das problemlose Parken der Busse, die mit den Kunden der organisierten Schiffsfahrten anreisen, gewährleistet ist.

Unter dem Aspekt der wasserwirtschaftlichen Anpassungen in České Budějovice selbst sind zwei kleine Hebewerke am Schwemmkanal (benannt nach Adalbert Lanna) gerade vor dem Einfahren in den Blinden Arm zu errichten. Diese Hebewerke wären eine touristische Attraktion nicht nur für den Wasserverkehr, sondern auch für die vorbeigehenden Fußgänger und Touristen, wobei auf sie unter dem Aspekt einer technischen Sehenswürdigkeit hingewiesen werden sollte. Die endgültige Lösung ist jedoch vor allem von der in Vorbereitung befindlichen wasserwirtschaftlichen Studie und den konkreten technischen Anforderungen abhängig.

Die Gesamtschätzung der unabdingbaren Investitionen für die Realisierung dieses Projektes beträgt ca. 102 Mio. CZK. Im Falle der erfolgreichen Beantragung einer Dotation können 75% der Investition aus den Fonds der Europäischen Union erstattet werden.