Geschichte
Den Zusammenfluss der großen südböhmischen Flüsse Moldau und Maltsch wählte im Jahre 1265 der böhmische König Přemysl Otakar II. zur Gründung der Stadt Budweis, um so seine Vormachtstellung in Südböhmen zu festigen. Der regelmäßige Grundriss der neu gegründeten königlichen Stadt, deren Mitte ein ausgedehnter quadratischer Hauptplatz bildet, gehört zu den herausragenden Werken der mittelalterlichen Urbanistik in den böhmischen Landen.

Budweis erlebte dank der Gunst des Herrschers und der vorteilhaften Lage an den Fernhandelsstrassen einen wirtschaftlichen Aufschwung, sodass hier bereits um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts zwei herrliche Kathedralen fertig gestellt wurden und die Stadt von einer Befestigungsanlage umsäumt war. Als Heimstatt dienten den Einwohnern zunächst bescheidene, überwiegend Holzhäuser, die jedoch dann durch Steinbauten ersetzt wurden.
Für die Treue gegenüber der königlichen Krone zeigten sich die böhmischen Herrscher den Budweisern durch eine reiche Belohnung in Form der Erteilung zahlreicher Privilegien erkenntlich, die die wirtschaftliche Prosperität und einen regen Handelsverkehr garantierten. Zu den bedeutendsten gehörte z.B. das Privileg Karls IV. aus dem Jahre 1351, dass den, die Stadt Budweis durchquerenden Kaufleuten auferlegte, hier ihre Waren anzubieten, jedoch auch das Betreiben bestimmter Arten von Handwerken im Umkreis von einer Meile um Stadt untersagte.
Im Verlaufe des unruhigen 15. Jahrhunderts stellten die katholisch orientierten Budweiser eine feste Stütze gegen das Hussitenturm dar. Der Heerführer Jan Žižka wusste von der Stärke der Stadtbefestigungsanlage und unternahm daher nicht einmal den Versuch, die Stadt zu erobern. Fast zu einer Tradition wurde dem gegenüber der Handelskrieg mit dem mächtigen Adelsgeschlecht der Rožmberks (Rosenberger), der häufig bis in bewaffnete Auseinandersetzungen ausartete.

Das mittelalterliche Budweis blieb eine im Ring der Befestigungsmauern eingeschlossene Stadt und in der Vorstadt waren nur einige Höfe und Gärten verstreut. Mit seinen fast 4.000 Einwohnern gehörte es jedoch zu den größten und bedeutendsten Städten des böhmischen Königreiches. Etwa zwei Drittel der Budweiser Einwohner stellte die deutschsprachige Bevölkerung, ein Drittel Tschechen dar, und ab der Mitte des 14. Jahrhunderts siedelten sich hier auch einige jüdische Familien an. Im Jahre 1506 wurden jedoch die Juden aus der Stadt vertrieben und ihr Vermögen wurde konfisziert.
Das 16. Jahrhundert brachte der Stadt Budweis einen nie gekannten Aufschwung. Erhebliche Gewinne flossen in die Stadtkasse insbesondere aus der Förderung des Silbers in den umliegenden Bergwerken, jedoch auch aus dem Brauen des Bieres, aus der Fischereiwirtschaft und dem Salzhandel. Die angehäuften Mittel verwendete die Stadtgemeinde unter anderem zur pompösen Repräsentation:
Es entstand das neue Gebäude des Rathauses, es wurde die Stadtmauern umgebaut, und der Stadtrat gelangte zu dem Beschluss, einen hohen Turm zu errichten, der heute „Schwarzer Turm“ genannt wird. Darüber hinaus schmückten die Bürger ihre Häuser, sodass Budweis eine reizvolle Renaissancegestalt erlangte. Im Jahre 1569 wurde hier eine Münzerei errichtet, die das in den Bergbaurevieren um das heutige Rudolfov geförderte Silber verarbeitete. Die Bergbaustadt Rudolfov selbst diente jedoch den Anhängern des lutherischen Glaubens als Unterschlupf, was den katholisch orientierten Budweiser Bürgern ein Dorn im Auge war.

Währen des Ständeaufstandes und des nachfolgenden Dreißigjährigen Krieges blieb Budweis wiederum auf der Seite des Kaisers und hielt den Angriffen der Ständearmee stand. Die moderne Befestigung machte aus der Stadt eine strategisch wichtige Festung, wohin während des Krieges in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts wiederholt die höchstens Landesbeamten umsiedelten, und die hiesige Kirche seinerzeit kurz die böhmischen Krönungsinsignien beherbergte. Währen die Kriegsereignisse selbst keine größeren Schäden anrichteten, wurde die Zerstörung von mehr als der Hälfte der Häuser durch einen umfangreichen Brand im Juli 1641 verursacht. Der Wiederaufbau der Stadt dauerte mehrere Jahrzehnte. Die Ära des Barocks änderte einschneidend die Gestalt der öffentlichen Gebäude und auch der Privathäuser in der Stadt, bereicherte Budweis um eine Vielzahl kirchlicher Denkmäler und unter anderem auch um eines der Symbole der Stadt – den Samsonbrunnen. Die Budweiser liebten mehr und mehr die Wallfahrten zur nahe gelegenen Heilquelle in Dobrá Voda, wo gerade zu jener Zeit eine herrliche Barockkathedrale entstand.
Zur kulturellen Bedeutung der Stadt trug auch der Orden der Piaristen bei, der sich hier im Jahre 1762 niederließ und hier das lateinische Gymnasium errichtete. In jene Zeit fällt auch die Entstehung des Stadttheaters. Unter Josef II. wurde im Jahre 1785 das Budweiser Bistum gegründet, und um nicht ganz zwei Jahrzehnte später begannen hier das hiesige Priesterseminar und das Philosophische Institut zu wirken.

Das neunzehnte Jahrhundert beeinflusste das Leben der Stadt sowohl durch den umwerfenden technischen Fortschritt, als auch die Entwicklung einer modernen bürgerlichen Gesellschaft. Die Pferdeeisenbahn, errichtet in den Jahren 1825-1832, als erste auf dem europäischen Kontinent, verband Budweis mit dem oberösterreichischen Linz, und gemeinsam mit der Moldauschifffahrt, die durch Vojtěch Lanna betrieben wurden, beschleunigte sich der Warentransport in Nordsüd – Richtung. Die Tatsache regte selbstverständlich die Entwicklung des Handels und der Industrie an. Einige größere Industrieunternehmen begannen, in die Stadt eine Vielzahl von Arbeitskräften zu locken, und dem schnellen Anwachsen der Bevölkerungszahl war kein Einhalt mehr zu gebieten. Proportional hierzu wuchs auch der Wohnungsbau.

Zu Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhundert wurde der Betrieb der Pferdeeisenbahn definitiv eingestellt, die durch die Errichtung der Dampfeisenbahnstrecke nach Pilsen, Prag und Wien in den Jahren 1868-1874 ersetzt wurde. Die Stadt wurde zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und zu einem Zentrum des Handels zwischen den österreichischen und böhmischen Landen. Die Budweiser Gesellschaft begann sich zu jener Zeit immer ausdrucksstärker in den tschechischen und deutschen Teil zu spalten, es entstanden nach nationale Vereine, Schulen und nicht zuletzt Industrieunternehmen. In der Stadt wirkte eine ganze Reihe künstlerischer Persönlichkeiten tschechischer, deutscher, jedoch auch jüdischer Nationalität.

Das zwanzigste Jahrhundert brachte ab den ersten Jahrzehnten umfangreiche Veränderungen in allen Bereichen des Lebens der Stadt. Zum Beispiel zu jener Zeit, als die Produktionen der Pioniere des Flugwesens bislang eine sensationelle Schau darstellten, widmeten sich bereits so viele Budweiser Einwohner sportlichen Aktivitäten, dass die Sportvereinigung Sokol sogar eine ganze Insel zwischen den beiden Armen der Moldau zu einem großen Sportplatz umgestaltete. Die Stadt wuchs und aufgrund dessen finden wir heute auch nicht wenige Beispiele der modernen Architektur der 20er und 30er Jahre; hinter einigen dieser Bauwerke stehen die Namen führender tschechischer Architekten.
Budweis wuchs zu einer tatsächlichen wirtschaftlichen und auch kulturellen Metropole Südböhmens heran, und im Jahre 1949 wurde sie zum Sitz des neu gebildeten Budweiser Kreises. Im Jahre 1948 wurde hier das Pädagogische Institut, die heutige Pädagogische Fakultät der Südböhmischen Universität gegründet. Ab den fünfziger Jahren verzeichnete die Stadt eine erhebliche territoriale Entwicklung und auch einen Bevölkerungssprung, die Anzahl der Einwohner verdoppelte sich und bewegt sich derzeit unmittelbar unterhalb der Grenze von einhunderttausend. Im Jahre 1991 entstand unter Beteiligung der Institute der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik die Südböhmische Universität mit mehreren Fakultäten. Budweis wurde zur Statutarstadt mit dem Oberbürgermeister an der Spitze erklärt, und wurde zum Sitz der neu konstituierten Region Südböhmen.