Sehr geehrte Besucher, willkommen in der königlichen Stadt České Budějovice!
Es war vor 740 Jahren, als der böhmische König Přemysl Otakar II. am Zusammenfluss der Flüsse Maltsch und Moldau die Stadt České Budějovice gründete. Der Grundrissplan der neu entstehenden Stadt wurde in genialer Weise durch den Zvíkover Burggrafen Hirzo vermessen, wobei an den quadratischen Marktplatz mit einer Fläche von 133 x 137 m schachbrettförmig das Straßennetz anknüpft. Es entstanden zwei Kathedralen und eine Vielzahl von Bürgerhäusern rund um den Hauptplatz, einschließlich des Rathauses. Die ganze Stadt war von einer Befestigungsmauer mit Mauertürmen und drei Stadttoren umgeben.
Gleich nach ihrem Entstehen wurde die Stadt České Budějovice zu einer mächtigen und auch wirtschaftlichen Metropole im Süden Böhmens und zu einer Stütze der königlichen Macht. Ihre Privilegien wurden im 14. Jahrhundert durch König Karel IV. gestärkt und die Stadt wurde zu einem Zentrum des Handels und des Handwerks. České Budějovice gelangte auch aufgrund der Förderung von Silber und des Prägens von Münzen in der unweit gelegenen Gemeinde Rudolfov zu Reichtum.
Die befestigte Stadt stand abseits des Druckes seitens der Hussiten und ihr wirtschaftlicher Aufschwung wurde erst durch den Dreißigjährigen Krieg sowie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch einen ausgedehnten Brand geschädigt. Die Erneuerung der Stadt erfolgte über Jahrzehnte im Barockstil und änderte ihren architektonischen Charakter. Es entstand hier eine Reihe sakraler Bauwerke und Institutionen, z.B. der Bischofssitz, jedoch auch weltliche Bauten.
Die industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert brachte viele Veränderungen im Bereich des Verkehrs und der Produktion. Im Jahre 1832 fuhr von České Budějovice nach Linz der erste Waggon der Pferdeeisenbahn, die die erste Eisenbahn auf dem europäischen Kontinent war. Ferner wurden die Bleistiftfabrik, die Emaillegeschirrfabrik, die Tabakfabrik und Brauereien gegründet. Zum Glück vernichtete die industrielle Entwicklung nicht den historischen Kern der Stadt.
Das 20. Jahrhundert brachte umfangreiche Veränderungen in allen Bereichen des Lebens. Wir finden hier viele Beispiele der modernen Architektur der 20er und 30er Jahre. Die Zahl der Einwohner näherte sich zum Ende des 20. Jahrhunderts der Grenze von 100 000. Die Stadt ist der Sitz der Südböhmischen Universität, vieler Fachschulen, wissenschaftlicher Institute, des Südböhmischen Theaters mit drei Ensembles, des Südböhmischen Museums und weiterer privater Museen und Galerien. Von den bedeutenden Unternehmen seien die Brauereien Budweiser Budwar (Budějovický Budvar) und die Budweiser Bürgerbräu (ursprünglich Samson), die Molkerei Madeta, die Bleistiftfabriken Koh-i-Noor Hardmuth und Gama, die Maschinenbaubetriebe Robert Bosch und Motor Jikov genannt.
Nach der Öffnung der Grenzen begann eine großartige Entwicklung im Fremdenverkehr und den Besuchern der Stadt haben wir etwas zu bieten. Es sind nicht nur die bedeutenden Denkmäler in der Stadt, sondern auch die kulturelle, sportliche Betätigung und Einkaufsmöglichkeiten. Auf ihre Kosten kommen auch die Liebhaber der Natur. Die Stadt České Budějovice ist von einer malerischen Landschaft aus Fischteichen, Flüssen, Wäldern und den Hügeln des Waldmassivs Blanský les sowie des Gratzener Berglandes (Novohradské hory) umgeben, in die architektonische Kostbarkeiten wie das Schloss Hluboká und die Gemeinde Holašovice eingefügt sind, wobei die letztgenannte durch ihre Bauwerke des Bauernbarocks auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO befindlich ist, ebenso wie die Stadt Český Krumlov mit ihrem Schloss und dem historischen Zentrum. České Budějovice ist eine freundschaftliche und gastfreundliche Stadt, wovon Sie sich selbst überzeugen können.
Das Kleinod der Stadt České Budějovice ist der historische Stadtkern mit einer Vielzahl von wertvollen kirchlichen und auch weltlichen Bauwerken. Die nachstehenden beiden Rundgänge ermöglichen Ihnen, diese bedeutendsten Denkmälern kennen zu lernen. An einige Denkmäler und Orte wie z.B. der Irrstein, die Eiserne Jungfrau, das Zeughaus, die Glocke Bumerin sind Sagen geknüpft. Hiervon erfahren Sie bei nächtlichen ausgewählten Besichtigungen der Stadt, die ein nicht alltägliches und interessantes Erlebnis erbieten. Sie gelangen so an Orte, an die Sie vielleicht achtlos vorübergehen würden, wobei Sie Informationen erhalten, die Ihnen andernfalls verborgen blieben.
Rundgang Nr. 1:
Hauptplatz Přemysl Otakar II. – St. Nikolaus-Kirche – Schwarzer Turm – Straße Kněžská - ehemalige Kirche St. Anna – Südböhmisches Museum – Südböhmisches Theater – Straße Dr. Stejskala
Der Hauptplatz, der nach Přemysl Otakar II. benannt ist, bildet seit Anbeginn das natürliche Zentrum der Stadt und hat einen fast quadratischen Grundriss von 132 x 137 Metern. Nach der Gründung der Stadt fanden hier hauptsächlich Märkte statt, später war er Zeuge aller wichtigen Ereignisse der Stadt. Der Umfang des Marktplatzes wird von 48 historischen Häusern gesäumt, von denen das wichtigste das Rathaus ist. Seine repräsentative Gestalt sollte die Bedeutung der Stadt widerspiegeln. Die heutige Gestalt des historischen Rathauses im Barockstil stammt aus den Jahren 1727-30 vom Baumeister A. E. Martinelli. Der monumentale Giebel wird durch drei Türme potenziert, von denen der mittlere höchste mit einem Glockenspiel aus dem Jahre 1995 versehen ist. Die vier allegorischen Statuen auf der Attika des Rathauses stellen die bürgerlichen Tugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Vorsicht dar. Die gegliederte Fassade trägt über dem mittleren Fenster das Stadtwappen, umgeben von den Landeswappen Mährens, Böhmens und Schlesiens. Im Innern ist der erhabenste Raum, der Zeremoniensaal, dessen gewölbte Decke von Fresken aus dem Jahre 1730 geschmückt wird, die das biblische Salomonische Gericht veranschaulichen.
In der Mitte des Marktplatzes steht eines der Symbole der Stadt, der barocke Samson-Brunnen. Er entstand in den Jahren 1721-26 und wurde durch den Steinmetz Zachariáš Horn errichtet, wobei der bildhauerische Schmuck durch Josef Dietrich geschaffen wurde. Auf dem Gipfel befindet sich die Statue des biblischen Samson, der mit einem Löwen ringt. Der Brunnen gehört zu den größten in Böhmen und umfasst ca. 200 m3 Wasser. Ein Stück vom Brunnen entfernt finden wir den sog. Irrstein, der mit einem Kreuz gekennzeichnet ist. In der Vergangenheit befand sich hier die Hinrichtungsstätte, wobei heute an ihn die Sage geknüpft ist, dass derjenige, der ihn nach der zehnten Abendstunde überschreitet, den Weg nach Hause nicht findet und bis zum Morgengrauen durch die Stadt irrt.
Vom Hauptplatz geben wir uns zur Kathedralkirche St. Nikolaus, zu einem ursprünglich gotischen Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Dieses brannte jedoch im 17. Jahrhundert aus, sodass die heutige Gestalt der Kirche barock ist. Im Giebel der Kirche befinden sich drei Statuen, der Hl. Wenzel, der Schutzpatron des böhmischen Landes, der Hl. Nikolaus, der Schutzpatron der Budweiser Diözese, und der Hl. Auratian, der Schutzpatron der Stadt České Budějovice. Das Interieur der Kirche ist einfach eingerichtet. Wichtigster Bestandteil der Einrichtung ist der Hauptaltar aus dem 18. Jahrhundert mit dem Bildnis des Hl. Nikolaus.
Neben der Kirche steht ein weiteres Symbol der Stadt České Budějovice, der 72 Meter hohe Schwarze Turm, der von den Besuchern wegen des einzigartigen Ausblickes von der Balustrade auf die Stadt und die Umgebung aufgesucht wird. Der Gotik-Renaissance-Turm wurde im Jahre 1577 fertiggestellt und diente als Glocken- und Wachturm. Im Turm befinden sich 6 Glocken, die schwerste ist die Glocke Bumerin, die 3.429 kg wiegt.
Vom Schwarzen Turm aus begeben wir uns in die Straße U Černé Věže (Am Schwarzen Turm), wo zwei Gebäude bemerkenswert ist. Das eine ist das architektonisch wertvolle Wortner-Haus, dessen Giebel einen Zinnenkranz und Ecktürmchen zieren. Errichtet wurde es zur Mitte des 16. Jahrhunderts in einem Stil mit dem Bekenntnis zur Gotik und zur beginnenden Renaissance. Heute befindet sich hier der Sitz der Südböhmischen Aleš-Galerie. Gegenüber befindet sich das Kaufhaus U Hájíčků (Bei Hájíček) im Jugendstil aus dem Jahre 1911. Wir kehren zum Schwarzen Turm zurück und gelangen durch die Straße Hroznová in die Straße Kněžská, wo an der Ecke zur Straße Kanovnická das Kneissl-Haus steht, das von den ältesten Renaissance-Sgraffiti in der Stadt geschmückt wird. Gegenüber dem Kneissl-Haus steht die Barockkapelle Todesängste des Herrn, der heute den griechisch-katholischen Gläubigen dient. Durch die Straße Kněžská gelangen wir zur ehemaligen Kirche St. Anna mit dem Kapuzinerkloster, welches zu Beginn des 17. Jahrhunderts Königin Anna bei ihrem Besuch der Stadt Budweis errichten ließ. Heute dient es als Konzertsaal Otakar Jeremiáš. An die Kněžská knüpft die Straße Dukelská an, an deren Beginn das repräsentative Gebäude des Südböhmischen Museums im Stile der Neorenaissance steht, das im Jahre 1903 eröffnet wurde. Im Museum können wir eine ständige Ausstellung besuchen, die der Geschichte, der Heimatkunde und der Natur Südböhmens gewidmet ist, sowie auch thematische Ausstellungen. Neben dem Museum ist in gleichem Stile das Haus der Kultur Slavie errichtet, welches direkt am Ufer des Flusses Maltsch (Malše) ebenso wie das Empire-Gebäude des Südböhmischen Theaters in seiner Nachbarschaft steht. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem Jahre 1819, wobei er im Jahre 1990 das letzte Mal umgebaut wurde.
Im Giebel sehen Sie die Büste von Josef Kajetán Tyl, die daran erinnert, dass er hier zum letzten Mal in seinem Leben spielte. Auf der anderen Seite des Theaters steht das Denkmal zu Ehren von Ema Destinnová, der weltbekannten Opernsängerin, die im Jahre 1930 in České Budějovice verstarb. Am Theater vorbei setzen wir unseren Weg durch die Straße Dr. Stejskala zurück zum Hauptplatz fort.
Rundgang Nr. 2:
Hauptplatz Přemysl Otakar II. – Straße Krajinská – Masné Krámy (Fleischbänke) – Straße Hroznová – Piaristenplatz – Straße Česká – Rabensteiner Turm – Gasse Panská – Blinder Arm der Maltsch – Eiserne Jungfrau – Straße Biskupská
Vom Hauptplatz Přemysl Otakar II. begeben wir uns in die Straße Krajinská, wo wir an der Ecke des Hauptplatzes zunächst auf das Mallner-Haus mit gotischen Elementen an der Fassade stoßen. Schräg an der gegenüberliegenden Ecke ist das Puklice-Haus mit einem Ecktürmchen, in welchem im Jahre 1467 der Bürgermeister Ondřej Puklice von Vztuhy ermordet wurde. Nach einer Weile stoßen wir auf eines der bekanntesten Denkmäler der Stadt – die ehemaligen Fleischbänke (Masné krámy). Kaiser Karl IV. verfügte im Jahre 1364, den Fleischverkauf vom Hauptplatz in ein gemauertes Gebäude zu verlegen. Die heutige Gestalt im Renaissancestil stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Fleischbänke nicht mehr als Markthalle genutzt, und es wurde hier das berühmte Restaurant errichtet.
An der Ecke der Straßen Krajinská und Hroznová steht das monumentale Palais der Komerční banka (Kommerzbank) aus den Jahren 1912-13, überwiegend im Jugendstil. An der reichen Ausgestaltung des Interieurs hatten seinerzeit bedeutende bildende Künstler Anteil. Weitere Häuser in der Straße Krajinská haben überwiegend klassizistische Fassaden mit Renaissance- oder sogar gotischen Kernen. Erwähnenswert ist das sehr hübsche Zátka-Haus im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert, die Geburtsstätte von JUDr. August Zátka, eines führenden hiesigen Politikers und Patrioten, heute ein Hotel.
Wir begeben uns ein Stückchen durch die Straße Hroznová und gelangen zum Piaristenplatz, wo uns architektonische Kostbarkeiten erwarten. Es handelt sich vor allem um das Areal des Dominikanerklosters mit der Kirche Mariä Opferung. Diesen Ort erhielt der Dominikanerorden gleich nach der Gründung der Stadt im Jahre 1265, indem er hier über 500 seinen Sitz hatte. Anschließend war hier der Orden der Piaristen und schließlich der Redemptoristen. An der baulichen Gestalt haben mehrere Baustile ihren Anteil, hauptsächlich jedoch die Gotik. Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche mit farbigen Fresken aus dem Leben der Heiligen geschmückt. An die Kirche liegt der gotische Kreuzgang mit dem Paradiesgarten an. Das Kloster ist von einem Garten mit Barockstatuen von Josef Dietrich umgeben. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Klosterturm errichtet, der sog. "Weiße Turm".
Ein weiteres bedeutendes Denkmal auf dem Piaristenplatz ist das ehemalige städtische Zeughaus, das wir an dem hohen stufenförmigen Giebel gotischen Stils erkennen. Das Gebäude diente auch als Getreidespeicher und Salzlager. Dahinter, etwas versteckt, ist eine polygonale Bastei, einst Bestandteil der Stadtbefestigung. Heute befindet sich hier eine Galerie.
Vom Piaristenplatz begeben wir uns in die malerische Straße Česká, wo wir fast über die gesamte Länge die erhaltenen Arkaden der Bürgerhäuser erblicken. Zum Ende biegen wir links ab und vor uns erhebt sich die Dominante des Rabensteiner Turms, der ebenfalls Bestandteil der Stadtbefestigung war. Ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert stammend, wurde er im 16. Jahrhundert in seiner heutigen Gestalt umgebaut. Vom Turm aus gehen wir durch die abgeschiedene Gasse Panská ulice, wo wir im Innern des Hauses Nr. 14 eine erhalten gebliebene gotische hölzerne Zimmerung sehen können. Von der Gasse Panská kommen wir zum Ufer des Blinden Arms der Maltsch hinter dem Dominikanerkloster und bei einem Blick über den Fluss sehen wir die Sokol-Insel mit der Sokol-Halle, der Schwimmhalle und weiteren Möglichkeiten der Erholung und des Sports.
Wir setzen unseren Weg entlang des Blinden Arms vorbei an einem Teil der erhaltenen Stadtmauern fort, hinter denen sich der nicht zugängliche bischöfliche Garten mit dem Turm Otakarka befindet. Der weitere Mauerturm Eiserne Jungfrau stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist nach einem Foltergerät benannt, das hier befindlich gewesen sein soll, wobei an ihn verschiedene Legenden geknüpft sind.
In der Nachbarschaft dieses Turms ist die Eiserne Brücke, von der aus wir gut den Zusammenfluss der Maltsch mit der Moldau sehen können, wobei linkerseits der Park Háječek beginnt. Freunde der Beobachtung des Weltalls besuchen hier die Sternwarte und das Planetarium. Hinter der Brücke links am Zátka-Ufer ragt das Gebäude des Justizpalastes empor. Am Ufer befinden sich zwei Statuen - der Hl. Jan aus Nepomuk und die Budweiser Madonna, Beschützerin der Stadt.
Wir gehen von der Brücke aus durch die Straße Biskupská, wo wir die bischöfliche Residenz sehen. Das Barockobjekt aus dem 18. Jahrhundert dient heute als Sitz des Bischofs und Verwaltungsgebäude der Budweiser Diözese.
Von dieser Straße geht die Straße Široká aus, wo sich altehrwürdige Bürgerhäuser mit einem gotischen Kern und klassizistischen Fassaden befinden.
Die Straße Biskupská führt uns zurück auf den Hauptplatz. Sofern wir an der Ecke links abbiegen, gelangen wir durch die Straße Radniční (Rathausstraße) in die Straße Česká, wo wir auf Reste des Salzlagers neben dem Gebäude des Gymnasiums stoßen. Salz wurde nach České Budějovice (Budweis) zunächst mit Pferdegespannen befördert, später per Schiff und noch später mit der Pferdeeisenbahn. Die Pferdeeisenbahn führte gerade durch die Straße Česká, wobei hieran auch das klassizistische Nissl-Haus an der Ecke zum Piaristenplatz erinnert, wo sich die Kasse für den Personenverkehr, der Bahnsteig und die Büros befanden.